Marokko
v.l.n.r.: Mario, ich, Sergio (unten), Sebastion, Daniel
Zusammen mit der ober-coolen Crew aus dem Bild oben flog ich am 3. Februar für eine Woche nach Marokko. Direkt nach Ankunft in Fes machten wir uns auf den Weg nach Marrakesch, der "Perle des Südens" und wohl bekanntesten Stadt Marokkos. Wir hatten Glück mit dem Hostel-Wahl und landeten in einem wunderschönen Palast mit extrem freundlichen Personal und Shisha-Terasse für gerade einmal 8 Euro die Nacht. Das Hostel lag direkt in der Medina der Stadt. Mein erster Eindruck von Marrakesch war schockierend. Gestank. Bettler mit fehlenden Gliedmaßen. Extrem heruntergekommene Häuser. Müll. Kinder mit zerfetzten Kleidern die Klebstoff-schnüffelnd durch die Straßen wankten. Armut in diesem Ausmaß hatte ich nicht erwartet. Der zweite einschlagende Eindruck und zugleich Novum für mich war der allgegenwärtige Islam. Alle Frauen trugen Kopftücher, manche waren ganz bis auf die Augen verhüllt. Fünfmal am Tag schallt der Adhan - der islamische Aufruf zum Gebet - aus Lautsprechern durch die Straßen, die alle 20 Meter auf Türmen installiert sind. Der Zutritt zu Moscheen ist nur Muslimen gestattet. Der Koran ist hier Gesetz, er steht über allem. Kein Schweinefleisch. Kein Alkohol. Abends um 10 mal in 'ne Bar um'n Bierchen zu zischen? Geht nicht. In Marokko trinkt man Tee. Oder Kaffee. Oder man raucht Shisha. Oder man raucht Haschisch-Zigaretten. Wobei letzteres rein logisch gesehen auch vom Koran verboten ist.
Doch ein bisschen außerhalb der Stadtmauern der Medina ergibt sich ein ganz anderes Bild. Die Marokkaner nennen den Stadtteil die neue Stadt. Breite Straßen, teuere Autos, Geldautomaten, schmucke Hotels, moderne Gebäude, McDonalds und Bars mit Alkohol. Wie in Europa. Eines Abends trafen wir einen sehr freundlichen Marokkaner der uns einlud, das Nachtleben des "neuen" Marrekesch zu erkunden. Er trug teure Klamotten und sprach neben den Landessprachen Arabisch und Französisch außerdem fließend Englisch, Spanisch und Deutsch. Er hat in Hannover studiert und sein Vater ist nach seinen Aussagen Millionär. Er wirkte vertrauenswürdig und so ließen wir uns darauf ein. Gute Entscheidung. Dieser Abend veränderte mein gesamtes Bild von Marrakesch. Wir gingen ins Casino. Extrem hübsche Frauen in Miniröcken, dicke Maserati. Wir gingen in einen Nachtclub. Die arabischen Damen tanzten zu amerikanischem Hip-Hop und tranken Caipirinha. Marrakesch - zwei Welten in einer Stadt. An dem Abend sind einige andere erwähnenswerte Dinge passiert, die allerdings inadäquat für diesen Blog sind. Kann ich euch gerne mal in einem persönlichen Gespräch erzählen.
Von Marrakesch aus buchten wir eine 2-Tages-Tour in die Wüste. Ein unvergesslicher Trip. Zwar verbrachten wir 70% der Zeit in nem Minivan mit der Hin- und Rückfahrt, die Strecke allein wäre aber auch schon ein Ausflug wert gewesen. Wunderschöne Gebirgslandschaften. Zahlreiche eindrucksvolle Dörfer. Auf den Fotos könnt ihr euch einen Eindruck davon machen. Am "Tor zur Sahara" angekommen ritten wir 1,5 Stunden auf Kamelen zu unserem Nachtlager in die Wüste rein. Ich hab mir natürlich im Vorherhein erstmal ein korrektes Outfit zugelegt, mit Touareg-Gewand und Turban. Außerdem hab ich mich eine Woche nicht rasiert um arabischer zu wirken. Mein Bart war aber eher nicht so souverän. Der Kamelritt war cool, nur wackeln die Viecher zu extrem. Hab mehrfach versucht eine Kamelwackel-Abdämpf-Hüftschwung-Technik zu entwickeln, ist mir aber nicht gelungen. Länger als 1,5 Stunden hätte ich das nicht ausgehalten. Ich frag mich wie die Touareg das machen, die ja oft tagelang auf Kamelen durch die Wüste "wackeln". Wahrscheinlich sind die einfach nicht so verweichlicht wie wir Europäer. Unsere Wüsten-Guides waren vom Stamm der Berber und versorgten uns neben einem authentischen Wüsten-Dinner auch mit Abendunterhaltung in Form von einer Trommel- und Gesangsshow. Sehr eindrucksvoll. Zur Übernachtung standen Touristen-gerechte Zelte zur Verfügung. Ich entschied mich allerdings unter freien Himmel zu übernachten. Der Sternenhimmel war einfach unbeschreiblich. Ich glaub es gibt keinen besseren Ort den Himmel nachts zu betrachten als die Wüste. Keine Kamera der Welt kann das festhalten. Sowas muss man mit eigenen Augen gesehen haben. Man sieht unsere ganze Galaxie. Am nächsten morgen ging's wieder in aller Frühe auf Kamelen zurück zum Bus. Zurück in Marrakesch besuchten wir noch zwei Paläste, eine Grabstätte sowie zwei Gärten. Außerdem trafen wir uns mit ein paar Spanierinnen aus Valencia, die auch grad zufällig zur gleichen Zeit in Marrakesch waren.
Anschließend fuhren wir wieder zurück nach Fes um dort die letzten zwei Tage unseres Marokko-Aufenthalts zu verbringen. Ähnlich wie Marrakesch besitzt auch Fes eine neue und eine alte Stadt, mit ähnlichen Verhältnissen. Wir trafen uns mit Hamid, ein netter Marokkaner, der in Fes spanische Filologie studiert und uns über die Couchsurfing-Plattform anbot, uns seine Stadt zu zeigen. Sehr freundlich. In der Altstadt von Fes ist es Einheimischen nicht erlaubt, mit Touristen unterwegs zu sein. Zum Schutze der Touristen. Krass oder? So kam es, dass uns gleich 2 Minuten später zwei Polizisten in Zivil anhielten und wir ihnen erklären mussten dass Hamid unser Freund sei, kein Teppichverkäufer oder was auch immer. Abends lud uns Hamid in die Wohnung eines Freundes ein. Gute Gelegenheit mal eine marokkanische Wohnung von innen zu sehen. Auffällig war das aufwendig geschmückte Wohnzimmer mit Sofas für mindestens 30 Personen ("Wenn mal die Familie zu Besuch ist"). Auf dem Wohnzimmertisch lag eine Ausgabe des Koran in Arabisch. Rein aus Neugier hob ich ihn auf um mal einen Blick hinein zu werfen. Prompt forderte mich der Hausherr auf das Buch sofort wieder an seinen Platz zu legen. "Bevor du dieses Buch öffnen darst, musst du zuvor erstmal ganz viele Dinge lernen". Er wirkte etwas empört über meine Respektlosigkeit. Krass wie besessen diese Leute von ihrer Religion sind...
Wir trafen viele sehr freundliche Menschen, aber auch Menschen die uns (wie in Bangkok) wie Geldbörsen mit Beinen betrachteten und behandelten. Gerade in den Touristenzentren sind Weiße aus Europa eine einfache Einnahmequelle. Andere (vermutlich religiöse Fundamentalisten die uns als Ungläubige betrachteten) hießen uns überhaupt nicht willkommen und beschimpften uns mit "hijos de puta" ohne dass wir auch nur den Mund aufmachten. Alles in allem ein sehr eindrucksvoller Trip. Ich kann eine Reise nach Marokko vollstens empfehlen. Leben könnt ich dort allerdings auf keinen Fall.
An dieser Stelle ein Danke an die beste Firma der Welt Ryanair für ihre großartigen Preise.
Die best-of Fotos von dem Trip findet ihr auf Facebook (kein Login erforderlich).
ich bin gespannt auf deine weiteren berichte, fühl dich ganz herzlichst umarmt von deinem schwesterlein :)